„Gestalt" und „Ganzheit" - politisch gefährliche Begriffe

Ernst Plaum

Abstract


Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Verruf gekommenen Begriffe der Gestalt und der Ganzheit, die als politisch gefährlich erachtet worden sind, werden erörtert. Dabei wird die Ansicht vertreten, dass die Auffassung von der politischen Bedenklichkeit dieser Begriffe vor allem bezüglich des erstgenannten Begriffs aus folgenden Gründen einer Korrektur bedarf: (1) Die Gestaltpsychologie bezieht sich bei ihrer Begriffsbildung zunächst auf die Beschreibung phänomenal-objektiver Realitäten, die unabhängig von Weltanschauungen bzw. Ideologien existieren. (2) Wenn prominente Gestaltpsychologen darüber hinaus Stellung zu wertrelevanten Fragen genommen haben, so geschah dies zumeist ebenfalls in engem Zusammenhang mit einer als gegeben vorauszusetzenden Wirklichkeit, ohne Bezug zu politischem Gedankengut einer bestimmten Richtung. (3) Auch innerhalb der Gestaltpsychologie selbst findet man Ansätze, die den vermuteten Affinitäten entgegenstehen.

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ISSN: 0935-0179 | ZPID • Leibniz Institut