Das Leben des Dr. phil. habil. Max Simoneit

Karl Heinz Bönner

Abstract


Aus der Sicht eines wesentlich jüngeren Bekannten und Freundes (der auch zum wissenschaftlichen Nachlassverwalter wurde) wird der private und berufliche Weg des einstmals berühmten Psychologen Max Simoneit (1896-1962) nachgezeichnet. Die Darstellung ist sehr persönlich gehalten und darum bemüht, den Menschen Simoneit auch abseits des rein Beruflichen zu schildern. Als wesentliche Lebensstationen werden u. a. erwähnt: Geburt 1896 in Ostpreußen als Sohn eines Briefträgers, Ausbildung zum Lehrer, Kriegsfreiwilliger 1914, Psychologiestudium und Promotion in Königsberg, 1927 Heerespsychologe bei der Reichswehr, 1930 Chef der Heeres- bzw. Wehrmachtspsychologie bis zu deren Auflösung 1942, Habilitation 1942, danach Militärdienst (Ritterkreuzträger), nach dem Krieg vergebliche Versuche einer Hochschullaufbahn, Tätigkeit als Lehrer bis zur Pensionierung 1954, Arbeit in einem eigenen Forschungsinstitut in Köln, Tod 1962. Erheblichen Raum in der Darstellung nimmt die Analyse der politisch-ideologischen Einstellungen Simoneits ein. So sei er glühender Patriot und Nationalist, nicht jedoch Nationalsozialist gewesen. Er habe in der Weimarer Republik zwei rechtsstehenden Parteien angehört, sei 1942 (also relativ spät) der NSDAP beigetreten und nach dem Kriege zumindest zeitweise SPD-Mitglied gewesen. Es werden Zeugen benannt (aus Wehrmachts-, Politik- und religiösen Kreisen), die seine kritische Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus belegen sollen. Außerdem wird darauf verwiesen, dass er bei der Entnazifizierung entlastet worden sei. In beruflicher Hinsicht habe er neben seiner Lehrertätigkeit beim Aufbau der Bundeswehr versucht, an seine heerespsychologische Tätigkeit anzuknüpfen, sei jedoch wegen seines überholten, eher reaktionären Soldatenbildes auf Ablehnung gestoßen. In fachlicher Hinsicht sei hinzugekommen, dass seine Ablehnung der Testpsychologie und die Favorisierung eines subjektiven Ansatzes bei der Menschenbeurteilung (wie früher in der Wehrmacht üblich) als Anachronismus angesehen worden sei. Diese und weitere vergebliche Bemühungen (u. a. um die Wiederherausgabe der Zeitschrift "Soldatentum") hätten dazu geführt, dass er zum Alkoholiker geworden und letztlich daran auch gestorben sei. Ein bleibender indirekter Einfluss Simoneits sei darin zu sehen, dass er in der Wehrmachtspsychologie (die damals für Psychologen außer den Hochschulen die nahezu einzige berufliche Betätigungsmöglichkeit bot) der Vorgesetzte einer Vielzahl später maßgebender Psychologieordinarien war: R. Heiß, P. Lersch, J. Rudert, K. Gottschaldt, P. R. Hofstätter, U. Undeutsch.

Volltext: PDF

ISSN: 0177252X | ZPID • Leibniz Institut