Das Psychosyndrom nach frühkindlichen Hirnschäden: MCD - historischer Literatur- und Praxisbericht

Dietrich Holzer

Abstract


Der medizin- und psychologiehistorische Beitrag befasst sich mit der Forschung zum Psychosyndrom nach frühkindlichen Hirnschäden. Bei ernsten Verhaltensproblemen im Kindes- und Jugendalter sind nicht nur Anlage und Umwelt bedeutsam, sondern auch somatogene Faktoren, insbesondere nach schweren und auch leichteren Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Nach schweren Komplikationen werden schwere geistige und/oder motorische Defizite beim Kind alsbald offenkundig. Nach leichteren frühkindlichen Hirnschäden ist nach einer psychobiologischen Latenzzeit das Schadensbild beim Kind sehr differenziert zu erheben: Minimale cerebrale Dysfunktion (MCD). Behandelt wird hierzu die Forschungsgeschichte und -problematik sowie die Bemühungen über eine Verdachts- und Summationsdiagnostik hinauszukommen. Diese Bemühungen sind weitgehend erfolglos geblieben, und nach den 80-er Jahren sind dazu keine empirischen Arbeiten mehr publiziert worden. Zu Persönlichkeitsproblemen im Erwachsenenalter gibt es hingegen in jüngster Zeit Forschungsberichte über so disparate Störungen wie Essstörungen, Schizophrenie, Alkoholismus und sexuelle Störungen mit Beziehungen zur MCD. Insofern stellt sich wie zurückliegend für das Kindes- und Jugendalter das Problem einer unklaren Spezifität der MCD.

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ISSN: 0177252X | ZPID • Leibniz Institut