Ein wiederentdecktes Dokument: G. Stanley Halls Einladung an Ernst Haeckel vor 100 Jahren

Georg Eckardt

Abstract


Anläßlich eines wiederentdeckten Dokuments wird auf frühe internationale Wissenschaftsbeziehungen im ausgehenden 19. Jahrhundert aufmerksam gemacht. So hatte G. Stanley Hall als Präsident der Clark University (Worcester, Mass.) im Jahre 1909 zu deren 20-jährigem Bestehen eine illustre Gesellschaft von Wissenschaftlern eingeladen und ebenso zum 10-jährigen Bestehen im Jahre 1899. Bei der Suche nach nicht erwähnten möglichen deutschen Teilnehmern stieß man auf eine Korrespondenz Halls mit Wilhelm Wundt (1832-1920), der für beide Ereignisse abgesagt hatte. Ein anderer Gelehrter, der Hall während seiner Aufenthalte in Deutschland (1868-1873, 1878-1880) beeinflusst hatte, war Ernst Haeckel (1834-1919) gewesen. So kann als gesichert gelten, dass Haeckels "biogenetisches Grundgesetz" (Ontogenese als verkürzte Form der Phylogenese) erheblichen Einfluss auf Halls genetisch-psychologische Auffassungen ausgeübt haben dürfte. Insofern schien es verwunderlich, dass über eine Einladung Haeckels durch Hall nicht bekannt war. Derartige Zweifel konnten jetzt ausgeräumt werden, da kürzlich im Ernst-Haeckel-Haus in Jena eine Einladung an Haeckel zu der vor 100 Jahren veranstalteten Konferenz aufgefunden wurde. Ein Absageschreiben Haeckels, der nicht nach Amerika gefahren war, ist bislang nicht bekannt. Allerdings hat es später noch weiteren Meinungsaustausch zwischen beiden gegeben, worüber auch Dokumente vorliegen.

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ISSN: 0177252X | ZPID • Leibniz Institut